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Alban, der Diener
(Wiebke Lindemann)

Die drei Töchter
(Wiebke Lindemann)


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Alban, der Diener

Kommentar Wiebke Lindemann

Ich weiß nicht, ob ich das Offensichtliche an Alban bemerkt habe! Ich bin ganz schön am Knobeln, inwiefern ich die Geschichte verstanden habe. Das Gefühl, das die Geschichte bei mir hinterlassen hat: eine dumpfe Melancholie, die vom Diener-Sein herrührt, und davon, daß Alban eigentlich nur an schlechte Menschen, gar an Oger bzw. Menschenfresser, gerät. Der Schreibstil ist fesselnd. Man kann die Angst des Jungen nachvollziehen.
Auf den ersten Blick für mich die Quintessenz, daß man es selbst in der Hand hat, sich vom Diener- und Fußabtreterdasein abzuwenden ("Dreh Dich rasch um, schau in die andere Richtung"). Die Berge und der herrliche Sommerabend lassen erwarten, daß es ab jetzt besser wird.
Alban landet immer wieder bei strengen Herrschaften, als hätte er dazu eine Affinität. Ich finde die Beschreibungen der Unterwürfigkeit sehr treffend.
Die Szenen im Haus muten schrecklich an. Was passiert in dem besagten Zimmer? Was praktiziert der strenge Mann dort mit seinen Dienern? Im Prinzip findet sich in diesem Kapitel die einzige Stelle, die etwas "Mitmenschlichkeit" herüberbringt, als die älteren Diener Alban die leichteren Arbeiten geben und ihn etwas umsorgen. Oder machen sie es, um Alban zu mästen? Spannend und gruselig die Szene, als alle ausgeflogen sind und Alban in das Zimmer gerufen wird. Sein Ablenkungsmanöver bringt es schließlich, er kann entkommen. Der Alte bekommt aber den Anfall, Alban kehrt zurück und kann ihn auffangen. Das Wasser kann er ihm nicht mehr bringen. Die Tür ist ins Schloß gefallen, der Schlüssel auf geheimnisvolle Weise verschwunden.
Ich fühlte mich im Kapitel "Auf der Straße" an einen Karnevalsumzug erinnert ...
Als ihm der Betrunkene oder Verletzte begegnet, ist Alban einmal der Überlegene, trickst ihn aus und bringt den Mann dazu, ihn mitzunehmen. Bei dessen Frau angekommen, kann er auf den Schutz des Mannes nicht hoffen. Das Erschreckende: Die Frau weiß seinen Namen. Als wäre er Alban auf die Stirn geschrieben. Als hätte die strenge Frau den dienerhaften Charakter Albans sofort gewittert und erkannt. Da haben sich zwei gefunden, die auf ihre Weise zusammen passen - bis Alban den Teufelskreis durchbricht und verschwindet. Er begreift, er kann nach bestem Gewissen seine Arbeit verrichten, von "Menschenfresser-Typen" wird das nicht anerkannt, sein dienerisches Verhalten bietet ihm keinen Schutz. Er kapiert, daß, wer Götter, das Alter und die Frauen zu sehr ehrt, und sich dabei selbst verachtet, Selbstzerstörung betreibt. Daß man wandern und ausreißen kann, wohin auch immer, aber daß ein dienerhaftes Wesen Menschenfresser anzieht. Um ihnen zu entkommen, muß man sich von seinem unterwürfigen Verhalten verabschieden.
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Kommentar Wiebke Lindemann

Es stimmt alles, die Älteste trgt die Verantwortung (zumindest bis sie wegläuft), die Mittlere träumt viel herum, und die Kleinste ist zu klein ... aber im Endeffekt treu und gutmütig, so dass sie bei der Mutter bleibt.
Nachdem die beiden älteren Schwestern einen Wunsch ausgesprochen haben, können sie nicht mehr bei der Mutter bleiben. Im Fall von Melissa tut aber die Mutter nichts, sie vertreibt die Älteste nicht unmittelbar. Obwohl man genau darauf wartet, nachdem die Mutter sie eine ganze Weile beobachtet hat. Vielleicht kommt Melissa ihr zuvor, vielleicht bereut die Mutter aber auch die Vertreibung der anderen Tochter, so dass sie ausser einem missmutigem Beobachten gar nichts tun will. Den Eindruck habe ich eher.
Die Frau zerbricht anschließend mehr und mehr. Die Zärtlichkeit gegenüber den kleinen Apfelbäumchen verwundert, da sie sonst so hart erscheint. Aber es geht ja um etwas Essbares bei den Bumen, daher muessen sie gepflegt werden. Trotzdem scheint sie vielleicht etwas wieder gut machen zu wollen, wenn sie die Bäumchen anstelle der beiden Töchter pflegt.
Am Schluss, als alle wieder vereint sind, bricht die Mutter ihr eigenes Prinzip und spricht ihren Wunsch, sogar ihren Herzenswunsch aus. Sie öffnet sich. Als hätte sie jetzt verstanden, dass man Wünsche hegen und pflegen muss und ansonsten, ohne Wünsche, innerlich abstirbt und sogar andere mit abtötet.

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