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Es war einmal ein Sommer, der dauerte schon so lang, wie die drei kleinen Mäuse zurückdenken konnten.

"Das ist noch gar nichts. Ich kannte mal einen Sommer, der dauerte noch viel länger" behauptete Jonas.
"Noch länger, als du zurückdenken kannst? Das geht gar nicht" zweifelte Mirco.
"So ewig lang hat dieser eine Sommer gedauert, dass der Jonas am Ende überhaupt nichts mehr davon weiß!" lachte Alicia.
"Stimmt, ich hab ihn total vergessen, so verflixt mausnasenlang ist er gewesen", wunderte sich Jonas.
"Aber heiß war das damals genau wie heute. Das weiß ich ganz sicher."

Nun gleicht das Mäusewissen einem löchrigen Emmentaler Käse. Und gar das Wissen kleiner Mäuse! Das ähnelt einem angenagtem Käseeckchen. Und dann fiel den drei Freunden in all der Sonnenglut auch noch das Denken recht schwer.

"Ich mag gar nicht daran denken, wie warm es heut wieder ist" sagte Mirco.

"Tust du doch. Man sieht ja, wie dir vor lauter Denkarbeit die Stirn feucht anläuft!" rief Jonas.
"Das kannst du doch gar nicht sehen, ob ich denke!"
"Kann ich doch. Du denkst, also schwitzt du!"

"Kommt schnell und schnuppert! Hier läuft eine heiße Spur!" rief Alicia.
„Wo läuft die nur hin?"
„Die verläuft sich im Sand."
„Das tut sie nicht. Die geht bis da rüber in den Schatten."
„Dort wird sie aber schnell wieder kalt."
„I wo. Wenn es sogar im Schatten viel zu warm ist."

So und so ähnlich tönten die drei schon den lieben langen Sommer. Man kann ja nicht behaupten, daß Jonas, Mirco und Alicia nicht hitzefest gewesen wären. Zumindest bis gegen elf Uhr. Aber um die Mittagszeit wurden den drei kleinen Mäusen meist der Sandboden unter den Pfoten zu heiß.

„Wir machen absolut keinen Mittagsschlaf", erklärten die drei Freunde unten im Mausbau.
„Wir kühlen uns nur ein bisschen die Ohren."

zurück zum Seitenanfang Die Sonne hatte sich endlich verzogen. Ein lauer Nachtwind fächelte um die Ohren der drei kleinen Mäuse.
„Wenn man der Sonne nachläuft, wo sie untergeht, kommt man genau an der Stelle raus, wo sie wieder aufgeht", behauptete Alicia.
„Sag das noch einmal", bat Jonas.
„Das stimmt nicht", schrie Mirco.
„Stimmt sehr wohl. Ich kenne jemanden, die hat das gemacht", sagte Alicia. „Die ist immer der Sonne nachgelaufen."
„Eine Maus? War das eine Maus?" wollteJonas wissen.
„So ein Quatsch. Das ist nicht wahr", schrie Mirco. „Die Sonne geht nirgendwo unter, die geht einfach immer weiter."

Alle drei waren sie stehen geblieben. Jonas war bereit zu lernen. Mirco war bereit zu reden. Alicia war geneigt, jedem Zweifler Nasenstüber auszuteilen.

Da sagte etwas: „Ach."

Was das wohl war, wunderten sich die drei Mäuse. Der Wind? Die Nacht? Jonas kleiner Mäusebauch?

Da sagte wieder etwas: „Ach."

Da war nur eine Margeritenblume. Die ließ die vielen gelben Körbchen hängen und ihre weißen Blütenblätter schleiften arg auf der Erde.

„Oh je", erschrak sich Alicia.
„Wie siehst Du denn aus?"
„Ach", klagte die Margerite.
„Ganz klar, der Blume fehlt etwas."
„Wieso, es ist doch alles da. Stengel und Blüten und alles."
„Mirco, du Blödmaus. Der fehlt etwas inwendig."
„Selber bist Du eine Blödmausette. Wie soll der Margerite innen drin etwas fehlen?"
„Da braucht man nicht hineinschaun. Das sieht doch jedes Mäusekind. Der Margeritenstrauch braucht Wasser."
„Ach", seufzte die Margerite.
„Hörst du", triumphierte Alicia.

zurück zum Seitenanfang „Ja, wenn der Regen nur endlich kommt."
Der Mauspapa lag in seiner Mausmatte und war dabei, ein Mauserziehungsbuch zu studieren.
Die drei Freunde bestürmten ihn: „Sag doch, was dann? Was passiert dann?"
„Ja, das bleibt abzuwarten", erwiderte der Mausvater.
„Und wenn er gar nicht kommen will, der Regen?" fragte Mirco beklommen.
„Wenn er ausbleibt?"
„Für immer?"
„Gibts dann nur noch Trockenblumen?"
„Und Trockengemüse?"
„Und Trockenmäuse?"

„Eigentlich", sagte der Papa. „Eigentlich ist das Sache der Regenmacherin. Verdammt unzuverlässig, diese Frau. Muss ich schon sagen."
„‘Verdammt‘ dürfen Erwachsene vor Kindern nicht aussprechen."
„Nach diesem Buch hier schon", erklärte der Mausmann.
„Schimpfen ist jetzt modern."
„Das ist aber ein verdammt gutes Buch", meinte Jonas.
„Ihr quatscht bloß herum und die arme Margerite verdurstet", rief Mirco.
„Lasst uns zur Regenfrau gehn. Alle miteinander. Schauen, warum die so lange keinen Regen macht."

„Wollt ihr nicht lieber meine Hängematte schaukeln?" fragte der Papa. „Ich lese derweil das Kapitel 'Mit Kindern auf Reisen‘."
„Wir besuchen besser die Regenmacherin."
„Und sorgen dafür, dass es auf der Welt wieder regnet."
„Ich könnte aber auch zu dir in die Mausmatte klettern."
„Oh, nein, Alicia. Du kommst mit uns mit!" verlangten Jonas und Mirco unisono.

„Lauft zu Onkel Maulwurf. Der weiß, wo sich das Regenweib aufhält." „Maus! Papa, hast du denn selber überhaupt keine Ahnung?"
„Man muss immer nur wissen, wer etwas weiß", brummte der Mausvater. „Damit kommt man im Leben schon weiter."

Drei kleine Mäuse standen vor dem Maulwurfsbau. Wo sollte man läuten? Wo anklopfen? Da gab es weder Klingel noch Klöppel. Und jetzt? Einfach die Nase in die lose Erde stecken?

„Lonas, mach du das."
„Meine Nase? Die steck ich nicht in fremde Haufen."
„Dafür sind Mäusenasen aber da."
„Meine nicht. Meine Nase, die recke ich bloß in die Luft. Auf die stolze Art der Mäuseriche."
„Ich finde, du streckst sie ein bisschen zu hoch, deine spitzige Mäuserichnase."
„Wir könnten auf die Erde trommeln. Vielleicht hört Onkel Maulwurf das." „Oder wieder nach Hause gehen. Vielleicht regnets da ja schon."
„Ja, lasst uns besser umkehren."

In diesem Augenblick rumpelte und rumorte es unter ihnen. Das Hügelchen bebte, Erdkrumen kullerten herab, ein schwarzer Schopf brach aus dem Haufen.

„Die drei kleinen Mäuse! Das ist aber eine Überraschung."
„Onkel Maulwurf, sag uns, wo wir die Regenmacherin finden!"
„Kinder, das kann ich nicht sagen. Wo die sich aufhält, das weiß keine Erdmaus, das kann nur ein Drache wissen."

„Ich werde uns aber sofort an den Ort graben, wo wir einen Drachen finden."

Mirco war davon nicht sehr begeistert.
„Ich finde, jetzt wird die Geschichte viel zu kompliziert. Immerhin, Drachen …"
Auch Alicia hatte ihre Einwände. „Mit der Frau Regenmacherin hätte ich ja gern ein Wort gewechselt. Aber mit Drachen …"
Selbst Jonas wirkte besorgt. „Onkel Maulwurf, Du führst uns da in dunkle Gänge und lässt uns dann bestimmt im Stich."
„Ach was" brummte die Schermaus. „Man muss sich immer nur mehr zutraun, als man sich eigentlich zutraut. Damit kommt man im Leben schon weiter."
„Ihr Erwachsenen klopft ganz schön flotte Sprüche" meinte Alicia. „Befolgt ihr die auch alle?"
„Da hätten wir viel zu tun", grummelte der Erdgräber.

Und er führte sie zu einer Spalte, in die stiegen sie hinein, der Maulwurf zuerst, dann eine kleine Maus, dann eine zweite, dann eine dritte. Sie wanderten durch dunkle Gänge, kreuzten seltsame Höhlen, schaufelten und baggerten sich durch Geröll und Erdreich.

„Kinder, das macht Spaß" dröhnte der Onkel.
„Geht so", fiepten die drei kleinen Mäuse.

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