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2. Teil
[Was bisher geschah: Mitten im schlimmsten Unwetter kriegt EXIn Besuch. Ein völlig durchweichtes, triefendes, schniefendes Mädchen. Der Drache mußte erst einmal das Wasser aus ihren Stiefel kippen und den Mantel kräftig auswringen. Weitere Meldungen zu diesem Thema: Ein kleiner Trupp Bewaffneter hat das Lauratal hinter sich gelassen und nimmt jetzt den alten Paßweg. Wetter: Anfangs neblig-trüb, später teils ergiebige Schauer.]


Mit einem Mal prasselt im Höhlenkamin ein lustiges Feuer.

"Im Höhlenkamin?", denkt das Mädchen. Es findet sich wieder unter einer daumendicken, deutlich nach Wüste und Tier riechenden und mit Goldfäden durchwirkten Decke. Wer hat sie ihr übergelegt? Sie erinnert sich nicht. Quer durch den schummerigen Raum, unter dem nachtschwarzen Felsgewölbe, spannt sich eine eiserne Kette. An ihr hängt allerhand Gerätschaft. Kessel, Rüstungsteile, alte Banner. Und nahe der feurigen Glut ein vor sich hindampfender Lumpen. Nein. Das Mädchen erkennt, es ist sein eigener Mantel.

Als sie das nächste Mal aufwacht, sagt der Drache: "So."

"So was?" fragt das Mädchen und reibt sich die Augen.

"So, das wäre auch getan. Draußen ein wenig nach dem Rechten zu sehen, meine ich. Auf der Klippe zu sitzen und über den Wald zu schauen. Über Klüfte und Schründe zu fliegen, das Vieh zu erschrecken, eine Fichte in Brand zu stecken. Gar nicht so leicht, bei dem feuchten Wetter. Auch den Feind ein wenig verderben."

"Was für einen Feind?", fragt das Mädchen, schon wieder besorgt.

"Da waren welche. Wohl auf Deiner Spur. Sind´s aber nicht mehr. Einer von denen, sicher der Anführer, in rostrotem Harnisch, der war gewitzt. Der floh als erster."

"Was die nur wollten."
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"Was die von Dir wollten, mein Kind. Das weißt nur Du und der regengraue Himmel."

"Hübsch eingerichtet ist es hier. Ich meine, für die Burg eines alten Feuerspeiers."

"Erzähl mir nichts von Drachenbau und Höhlenschmuck, Du kleines Menschenskind. Berichte mir, was Dich in diesen Winkel geführt hat."

"Womit soll ich aber bloß anfangen?"

"Na, mit Deiner Geschichte. Die brennt Dir auf dem Herzen und liegt Dir auf der Zunge und färbt Deine Backen vor Aufregung rot."

"Das ist die Hitze hier drinnen. Der Kamin und Du, ihr glüht ja um die Wette. Aber ich wüßte gar nicht, womit beginnen", klagt das Mädchen. "Die Wahrheit liegt tausendfach zersplittert herum. Ich krieche bis in alle Winkel, sammle die spitzigen Brocken auf, sie bohren sich in meine Hand. Lauter einzelne, ganz falsche Teile."

"Du meinst Fragmente", räsoniert EXiN der Große. "In so einem Fall tut man gut, sich an das zu halten, was auf der Hand liegt."

"Na gut", sagte das Mädchen.

Und es begann zu erzählen.

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